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Galerie der Werke von Józef Szajna

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Józef Szajna, Replik  Józef Szajna, Reminiszenzen 
Józef Szajna, Cervantes  Józef Szajna, Reminiszenzen 
Józef Szajna, Amaisenhaufen - Kosmos  Józef Szajna, Zahlen (die Namenlosen) 
Die Welt von Józef Szajna  Józef Szajna, Strafkompanie (SK) und Typhus 
Józef Szajna, Fratzen  Józef Szajna, Reminiszenzen 
Józef Szajna, Nike  Józef Szajna, Fratzen 
Józef Szajna, Replik IV  Józef Szajna, Replik I 
Józef Szajna, Replik I  Józef Szajna, Spuren 
Józef Szajna, Profile  Józef Szajna, Reminiszenzen 
Józef Szajna, Urkunde 
Józef Szajna, Replik III 
Józef Szajna, Amaisenhaufen  Józef Szajna, Replik III 
Józef Szajna, Köpfe  Józef Szajna, Replik III 
Józef Szajna, Trümmer  Józef Szajna, Replik III 
Józef Szajna, Niederkunft  Józef Szajna, Replik III 
Józef Szajna, Cervantes  Józef Szajna, Menschen 
Józef Szajna, Amaisenhaufen  Józef Szajna, Zahlen 
Józef Szajna, Grabstein für den Militarismus  Józef Szajna, Brennende Leiter 
Józef Szajna, Zahlen  Józef Szajna, Amaisenhaufen - Polen 

Editorial

Ich wurde eingeladen, Euch beim Nachdenken über die Gewalt mit meinen Reflexionen zu begleiten, die stets eine Form, eine Farbe und eine Gestalt haben. Gerettet aus Auschwitz und aus anderen Lagern sehe ich mich verpflichtet, es zu tun und möchte mich jetzt kurz vorstellen.

Ich wurde 1922 in Rzeszów geboren. In der Gymnasialzeit war ich ein phantasievoller Junge, der sich für Sport begeisterte und gern malte. Der Zweite Weltkrieg kam und zerstörte mit einem Schlag mein Zuhause, meine Vorstellung vom Glück und vom Leben. Mit siebzehn Jahren wurde ich Soldat, der etwas vorzeitig die Verantwortung für sich selbst übernehmen musste. Im Untergrund betrieb ich Sabotage gegen den Feind. Von der Gestapo verfolgt, wurde ich mit meinem Freund in der Slowakei gefasst, als wir uns Anfang 1940 nach Ungarn durchzuschlagen versuchten. Ich wurde den Deutschen ausgeliefert und wanderte von einem Gefängnis in das andere, ich saß in Muszyna, Nowy S±cz und Tarnów ein, bis ich plötzlich vor dem Eingangstor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" stand. Dahinter erstrecke sich das KZ Auschwitz. Dort gewann alles gleich eine metaphysische Dimension: Gewalt und Grausamkeit, Heldentum und Aufopferung. Kein Unterschied mehr zählte, weder Rasse, noch Klasse, noch politische Überzeugung, noch Religion fielen ins Gewicht. Wir waren ein Archipel anonymer menschlicher Seelen, die nichts weiter waren als eine Nummer, ich: 18729.

Es war im Sommer 1941. Mein Freund starb an Erschöpfung. Ich unternahm einen misslungenen Fluchtversuch, wurde gefasst und bekam das Todesurteil mit der Einweisung in den Block 11. Ich landete im Stehbunker, einer Zelle ohne Ausgang, ohne Fenster, ohne Luft und bar jeder Hoffnung. Es war eine 90 x 90 cm große Welt, die Höhe menschengroß. Man kroch da hinein wie in einen Schornstein des Krematoriums, durch eine kleine Tür.

Die Zeit blieb stehen, der Wechsel von Tag und Nacht war aufgehoben, es herrschte eine ewige Stille, und es war feucht und stickig. In Erwartung der Erschießung und trotz der erzwungenen Bewegungslosigkeit schritt ich barfuß auf die letzten Dinge, auf Gott zu. Das Nichtsein trieb mir einen Schrecken in die Glieder, die Stille schien mein Gehirn zu sprengen, das nahe daran war, zu verzweifeln. Der Wunsch nach dem Tod wurde immer stärker. Das Schicksal wollte es aber anders. Ich kam wieder heraus. War es Vorsehung? War es Bestimmung? Nach Jahren noch findet sich in meinen Theateraufführungen der Satz festgeschrieben: "Ich wurde von der Henkersschnur abgeschnitten, der Tod ist in mir, ich muss nachts mit ihm das Bett teilen."

Sich erinnern ist menschlich. Die einen können nicht vergessen, die anderen können sich nicht erinnern. Kann man als Einzelmensch bar jeglicher Verpflichtung leben? Kann man das als Gesellschaft?

Ich teile die Zeit nicht in gestern und heute ein, auch Menschen nicht in große und kleine. Die Zeit des Krieges und der deutschen Besatzung waren meine Universität und Bewährungsprobe für Charakterbildung und Freundschaften.

Die ersten Tage der Freiheit 1945 folgten auf Buchenwald. Es war eine freudlose Leere und der Versuch, sich von den Knien zu erheben. Ich schämte mich des "Buckels" meiner Erfahrung und teilte meine Erlebnisse niemandem mit. Voller Komplexe, ohne Selbstsicherheit und niemandem nützlich suchte ich meine Chance im Studium. So wenig wollte ich, und so üppig wurde ich beschenkt - ich lebte. Ich kehrte in mein Elternhaus zurück, das es nicht mehr gab. Ich lebte in Polen.

Ich streifte die Kruste der vergangenen Zeit von meinen Gliedern und schloss die Akademie der bildenden Künste in Krakau ab, dann gründete ich eine Familie. Meine künstlerischen Aktivitäten in der bildenden Kunst und am Theater empfinde ich als ein zweites, mir geschenktes Leben. In einer selbsterschaffenen Welt fühle ich mich von vergangenen Erfahrungen und von der Erinnerung befreit.

Im Jahre 1947 trat ich in den Zeugenstand bei einem Prozess gegen 40 Kriegsverbrecher aus Auschwitz. Die stolzen Herren über Leben und Tod von Hunderttausenden, Offiziere und ihre Untergebenen erwarteten das Urteil. Die einen mordeten auf Befehl, die anderen aus Lust. Im Gerichtssaal waren sie klein, zusammengekauert, feige und ohne Reue.

In den 60er Jahren schuf ich ein Autorentheater, eine visuelle Erzählweise. Ich nutzte es, um den Sinn der Kunst von heute zu hinterfragen, um auszuloten, was ein Künstler in der heutigen Zeit zu leisten hat.

Die Fragen hörten nicht auf, sich aufzudrängen. So entstand der Gemälde-Zyklus "Ameisenhaufen"; ich verstand es als Labyrinth menschlicher Schicksale, und daran arbeite ich bis heute. Bilder aus der Reihe "Epitaphe und Apotheosen" und die Rauminstallation "Reminiszenzen" wollen nicht nur an Opfer des Völkermordes erinnern, sie sind eine Warnung vor Massenmord und Vernichtung, die heute möglich sind, auf Kolyma, im Kosovo und anderswo in der Welt. Thematisiert wird die Barbarei als solche, überall möglich, die Barbarei des 20. Jahrhunderts, in dem das Gebot "Du sollst nicht töten" in sein Gegenteil verkehrt wurde: "Töte nur (los)!"

Meine Aufführung "Replik" aus dem Jahre 1971 kommt ohne Worte aus, es ist ein "Aufschrei unserer Zeit", befand eine amerikanische Zeitung, eine "Landschaft nach dem Erdbeben" rezensierte eine mexikanische Zeitschrift, und eine deutsche sah darin ein "Abrechnungsstück". Die "Replik" klagt an. Sie spricht von der Agonie unserer Welt, von unserem Kleinmut, vom Zerfall unserer Zivilisation und von der postindustriellen Kultur. Sie wurde in einigen Dutzend Ländern in Europa und in Übersee aufgeführt.

Eine Schöpfung von Ideen, die weit entfernt sind von einem eng gefassten Pragmatismus, zeigt einen Ausweg aus der Ausweglosigkeit an, in der ein Mord den nächsten nach sich zieht und der Tod den Hass schürt.

Unsere Wahrnehmung der Dinge (unsere ratio) mag uns umfassend und ergiebig erscheinen, ist aber unfruchtbar. Ist alles käuflich? Steht alles zum Verkauf an?

Der Nazismus lebt auf in gewandelter Form, immer häufiger hören wir von bösen Polen und guten Deutschen.

Ohne Sühne kann es zu keiner Vergebung kommen.

Am 50. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz richtete ich an alle Besucher einen Appell - ich lud sie alle ein zur Teilnahme an einem gemeinschaftlichen Unterfangen, zum Bau eines Hügels "Zum Andenken und zur Versöhnung", der Symbol des Friedens in der Stadt O¶wiêcim werden soll. Ich haben die Zuversicht, dass das 21. Jahrhundert der Hoffnung förderlich sein wird.

Józef Szajna

Maler, Schriftsteller, Regisseur, Bühnenbildner

Professor an der Akademie für bildende Künste

Warschau, 25.09.2000





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