Lieber Gregor!
Was hast Du mit diesen drei Fragen: "Warum Auschwitz, warum Kolyma, warum Kosovo?" und du erwartest, dass wir dazu Stellung nehmen? Es ist gar nicht einfach. Wir wollen es aber versuchen und legen los.
Das Böse steckt in der menschlichen Natur. Kein Mensch ist von Natur aus gut, in jedem wurzelt der Egoismus, der sich aus dem Selbsterhaltungstrieb ergibt. Wieweit die unerwünschten Eigenschaften im Menschen überhand nehmen, hängt von vielen Faktoren ab, einer der wichtigsten ist seine Umgebung. Das Böse, wenn es in entsprechender Verpackung serviert wird, wird sogar von jenen akzeptiert, die sonst keine besondere Neigung zum Bösen zeigen. Es gibt Beweise genug dafür, dass ein einziger Mensch es schaffte, Menschenmengen mitzureißen und sie begingen dann im Namen einer Idee die grausamsten Dinge. Nicht anders war es im Zweiten Weltkrieg in Deutschland.

Hitler schaffte es, Massen zu beeinflussen. Er begründete auch ein eigenes Verständnis von Gut und Böse. In seiner Vision der Welt sah er die Deutschen als Anführer aller Völker vor. Seiner Meinung nach war die nordische Rasse die wertvollste, und nur ihre Vertreter sollten die Macht über andere ausüben dürfen. Alle anderen Völker sollten sich den Deutschen unterordnen oder ausgerottet werden. Hitler sah im Kampf die "Bestimmung aller Geschöpfe" und behauptete, dass ein Volk, welches seinen Willen zum Kampf nicht mobilisieren könne, verschwinden müsse. Auf diesem Wege wollte er für die Reinheit der Rasse sorgen. Juden waren hingegen eine Rasse, die auszurotten war. Gunnar Heinsohn, deutscher Historiker, behauptet, dass Hitler durch die Eliminierung der jüdischen Ethik die nordischen Völker von Gewissenskonflikten befreien wollte, die sich bei der Eroberung und Säuberung der eroberten Gebiete womöglich einstellen würden.
Da Hitler ein exzellenter Populist war, schaffte er es, seine Argumente an den Mann zu bringen. Die geschickte Propaganda fiel auf guten Boden. Es war nicht ohne Bedeutung, dass Juden, die keinen eigenen Staat hatten, weiterhin an ihrer Religion und Tradition festhielten, wodurch sie sich von ihrer Umgebung abhoben. Bekanntlich weckt das Anderssein stets Angst, daher konnte sich der Antisemitismus schnell verbreiten. Menschen, die ihn akzeptierten, erblickten darin nichts Böses, nicht einmal in den Greueltaten, die an Juden begangen wurden, auch hatten sie nichts gegen die KZs, von denen jenes in Auschwitz wohl das bekannteste ist.

In Deutschland fand Nazismus eine schnelle Verbreitung. In der Sowjetunion war es der Kommunismus stalinistischer Prägung. Russland setzte sich das Ziel, die Fackel der Revolution in die ganze Welt hinauszutragen und so die Welt zu erobern. Kommunisten verfolgten ihre Ziele mit gleicher Rücksichtslosigkeit wie die Nazisten. Die Verbreitung der Revolution ließen sich die Kommunisten Tausende unschuldige Opfer kosten. Für die Kommunisten sollte jeder Mensch, der anders dachte und so die Revolution gefährdete, liquidiert oder isoliert werden. Diesem Zweck dienten die fürchterlichen sowjetischen Arbeitslager. Zu den schlimmsten Gulags zählten jene an der Kolyma, wo Gold gefördert wurde. Die dort herrschenden Klima- und Lebensbedingungen trugen dazu bei, dass Kolyma zum Ort der Massenvernichtung geworden ist.
Dein drittes "warum" bezieht sich auf das Kosovo. Bestimmt siehst Du fern und liest Zeitungen, daher weißt Du Bescheid. Serben und Albaner kamen im Kosovo seit über Tausend Jahren miteinander aus, jetzt können sie sich nicht riechen. Der zugrunde liegende Nationalismus nährt den Konflikt und verhindert seine Beilegung.
Wie man künftig weitere Konflikte vermeiden kann, weiß man nicht so genau, wie hätten aber ein paar Ideen. Die Schlüsselrolle spielt dabei die heranwachsende Generation, die von Kind an entsprechend erzogen werden muss. Die Erziehung ist vor allem die Aufgabe der Eltern, die ihren Kindern die Prinzipien einer Ethik beibringen müssen, die von den Kindern verinnerlicht und später befolgt wird.
Heutzutage scheint aber den größten Einfluss auf die Jugend das Fernsehen auszuüben. In vielen Programmen spielen Gewalt und Brutalität eine wichtige Rolle. Sie sollten aber wenigstens aus märchenhaften Cartoons verschwinden. Wenn die Kinder sehen, wie ein Mäuslein mit einem dicken Hammer der Katze auf den Kopf haut, halten sie unbewusst diesen Gewaltakt für gerechtfertigt und normal.
Das Fernsehen soll sich vielmehr das Ziel setzen, vor Gewalt und vor dem Bösen zu schützen. Die Schuljugend soll sich Filme ansehen, die zeigen, wie sinnlos die Grausamkeit der Kriege war, und aufzeigen, welche Ursachen Kriege ausgelöst haben. Wenn man weiß, dass Hass oft der Angst entspringt, soll man den Jugendaustausch intensivieren, und zwar nicht nur zur Förderung der Fremdsprachenkenntnisse, sondern in der Absicht, die Berührung mit anderen Kulturen und Traditionen zu ermöglichen. Bei solchen Begegnungen kann sich die Jugend mal über eigene Probleme austauschen und gemeinsam über Lösungen nachdenken.
Es gäbe keine Kriege, wenn die Waffenschmieden nicht auf Hochtouren arbeiten würden. Der Rüstungsstopp würde den Ausbruch eines nächsten Krieges sicherlich wirksam verhindern. Eine Granate bzw. eine Bombe kann viele töten, aber eine Atombombe pustet Millionen weg. Mir graust es bei dem Gedanken an die neuesten Entwicklungen. Nur Abrüstung kann künftig das Leben Millionen von Menschen retten.
Glaubst Du nicht, dass wir da ein paar sehr brauchbare Ideen vorgelegt haben? Überleg Dir das und schreib uns bald wieder.
Mit Gruß und Kuss
Deine Agata und Natalia