"Erstmal solle man einen Gedenkraum errichten - sagte er am Anfang seiner Reise - müsse man menschliche Beziehungen zwischen der jüdischen und arabischen Gemeinschaft pflegen, und nicht nur angesichts der Konflikte. Man solle dem Gebiet der Konflikte zwischen politischen Gegnern ausweichen, die Ebene menschlicher Kontakte betreten. Man solle durch Leiden verstehen, wie man einen neuen Blick in das gemeinsame Leben werfen könne.
Wir marschierten die Rampe entlang im schweigenden Zug, aus Lautsprechern wurden die Namen der Opfer wechselhaft von einem Juden und einem Araber vorgelesen. Am Ende dieses Weges wurde ein Manifest vorgelesen, das Folgendes beinhaltete:
"Gemeinsam unterstreichen wir, dass die Bruderschaft unteilbar ist: entweder ist sie universell oder existiert nicht; jedoch ist sie den Namen "Bruderschaft" dann nicht wert, wenn sie sich nur auf einem Klan, einer Nation, einer Kategorie Frauen oder Männer konzentriert; sie hat keinen eigenen Ausmaß, solange die Bruderschaft fremde Menschen nicht betrifft, mit denen scheint es am schwersten, Kontakte zu knüpfen."Wer könnte vorher daran geglaubt haben?
Paris, den 2. Juni 2003
Liebe Freunde,
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Das sind Erlebnisse, die uns Emil Shoufani hinterließ: gemeinsames Weinen im solidarischen Schmerzen eines Imams und Überlebenden [Survivor]; Zuhören jungen Muslims und israelischen Eclaireurs, wie sie ihren Gefühlen der wahren Zugehörigkeit zu derselben Familie das Zeugnis ablegen; Empfinden denselben "Schauder" der Bruderschaft, der unsere multiethnische, multinationale, multikonfessionelle Gruppe überläuft, während die Namen der Shoah-Opfer laut von Juden und Arabern vorgelesen werden. Und nur ein Wort ist über unsere Lippen gekommen: dziêkujê, Toda, Choukran.
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Die Shoah-Überlebenden, die aus Frankreich kamen, bestätigten: seit 60 Jahren empfanden sie noch nie so deutlich, dass sie Zeugen einer Katastrophe waren, die ganze Menschheit, nicht nur Juden, berührte. Und Szlomo Venezia aus Rom, das letzte in Europa lebende Mitglied des "Sonderkommando", sah Sachen an, die kein Mensch sehen sollte. Er kannte Schrecken erregende Wirklichkeit von Gaskammern, er hatte in seinen Augen das Licht, das ein Beweis für die "Besserung", die er erlebte, war. Dieses Licht, wie auch Worte der Zeugen, die damit einverstanden waren, uns gegenüber hunderten Arabern zu begleiten, das war meiner Meinung nach der größte Erfolg.
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Während dieses Aufenthaltes erfuhren wir (dank unserem Freund Prof. Mohamed Arkoun, der hier mit uns wegen Streiks nicht sein konnte), dass der UNESCO Preis "Bildung für den Frieden" an Emil Shoufani verliehen wurde - was bedeutet, dass seine Worte von mehreren Menschen weltweit erkennbar sind. Und besonders, dass die Shoah-Erinnerung - durch diese Begegnung - den universellen Ausmaß hat, den es bisher im Bewusstsein nie gab. Die Tatsache, dass sich so viele Araber daran beteiligten, ließ den richtigen Ausmaß diesem Völkermord zurückgewinnen, den man nicht nur als Mord am jüdischen Volk verstehen kann, aber auch als Versuch, den Begriff der Menschheit zu vernichten.
Das ist der Grund dafür, dass ich dort persönlich sein wollte - ich war am von Emil Shoufani geführten Kampf engagiert. Ich bin sehr stolz auf die Haltung unserer TeilnehmerInnen - d.h. französischer und belgischer Jugendlichen, die den frankophonen Teil der Teilnehmer vertraten. Niemand verstieß gegen bestimmte Prinzipien, die wir annahmen, einschließlich der kennzeichnenden "Kurve", d.h. politischen, interkonfessionellen oder intergemeinschaftlichen Problemen. Das ist die "Kurve", die für viele grundsätzlich schwer zu meiden war, die aber an Ort und Stelle überflüssig war. Niemand hatte Lust, sich zu streiten, es war klar, dass der Grund, warum wir uns hier zusammentrafen, befand sich woanders, auf einer anderen Ebene.
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Natürlich, unser tikkoun - gleichgültig wie intensiv - steht in einem ausgewogenen Verhältnis zu menschlichem Übel, zu dem Menschen zugelassen hatten, zu dem Menschheit immer noch fähig ist... Trotzdem: gemeinsam versetzten wir Berge und keiner sagt, die Verständigung zwischen Juden und Arabern sei unmöglich. Es ist geschehen.
Salam. Shalom an alle,
Jean Mouttapa

www.memoirepourlapaix.com




















